Seitensprungportal Ashley Madison: Wenn Betrüger betrogen werden.

Es liest sich fast wie ein Krimi und niemand hätte mit der aktuelle Fülle an Wendungen und „Höhepunkten“ des Skandals um das Seitensprungportal gerechnet. Als Hacker ca. 37 Millionen Kundenadressen von Ashley Madison geknackt und veröffentlicht hatten war die Aufregung groß. Scheidungsanwälte witterten das große Geschäft, aber auch Erpresser, die Betroffene Nutzer anfingen zu erpressen. In Toronto gab die Polizei sogar bekannt, dass zwei Suizide eine Verbindung zu Ashley Madison haben könnten – alles also wirklich kein Scherz!

„Das Leben ist kurz. Gönn Dir eine Affäre“

– so wirbt das Unternehmen Ashley Madison im Internet für den anonymen Verstoß gegen das Sechste Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“. Aber viele Nutzer können über diesen Satz mittlerweile nur noch mit dem Kopf schütteln und müssen sich eingestehen den größten Fehler ihres Lebens gemacht zu haben.

Die betrogenen Betrüger

Offiziell war die Quote bei Ashley Madison 30 Männer zu 5 Frauen. 30 Millionen zahlende Männer konkurrieren also laut Unternehmen um 5 Millionen Frauen. Die Auswertung der gehackten Nutzerdaten zeigt aber ein ganz anderes Bild!

Die Auswertung der gehackten Nutzerdaten durch das Blog „Gizmodo“ zeigen das ganze Ausmaß des Betrugs. Laut Blog seien nur 12.000 weibliche Profile echt und gehörten aktiven Nutzerinnen des Portals!

Man muss sich beim Lesen des Artikels ab und an wirklich die Augen reiben: nur 1492 als Frauen registrierte Nutzer hätten demnach überhaupt ihre Nachrichten gelesen! Zum Vergleich: bei den männlichen Nutzern waren es 20 Millionen. Das Chat-System nutzten elf Millionen männliche und nur rund 2400 weibliche Nutzer.

In den letzten Tagen kam dazu immer mehr ans Licht und einige Insider des Unternehmens – wie David Evans – gaben nun zu:

„Ashley Madison hat Leute dafür bezahlt, Profile zu erstellen. Und sie haben es zugelassen, dass immer mehr Fake-Profile auf ihrer Seite entstanden sind.“

Männer kommunizierten laut Analysen meinst nie mit echten Frauen, sondern mit einer „Armee aus Bots“ (Frei übersetzt: „automatisierte, flirtwillige Roboterfrauen“). 70.529 solcher Bot-Profile will man identifiziert haben, nur 43 davon imitieren männliche Nutzer!

Das Geschäftsmodell von Ashley Madison schien also wie folgt zu lauten: Wir betrügen uns bezahlende Männer, die betrügen wollen. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich eine Affäre zu beginnen, war tatsächlich sehr gering – der Schaden heute in den Familien und Ehen ist deswegen trotzdem leider nicht geringer. Bei dem Lesen der Auswertung fragte ich mich, ob die Geschäftspraktiken von Ashley Madison möglicherweise sinnbildlich und repräsentativ für andere Seitensprungportale sein könnten – ich weiß es nicht, vorstellen kann ich mir selbiges aber sehr wohl.

Ende der Doppelmoral

Der Skandal wurde auch zu einem Erdbeben in vielen Kirchen. Alleine in den USA sollen über 400 christliche Kirchenleiter zu den betrogene Betrügern gehören. Ein Beispiel ist Sam Rader. In der Öffentlichkeit steht der Blogger für christliche Werte und ein intaktes Familienleben – und hat sich dadurch eine große Fangemeinde im Netz gesichert. Der Hack des Seitensprungportals Ashley Madison hat nun enthüllt: Auch der christliche Familienvater war dem Fremdgehen nicht abgeneigt. Sam Rader ging allerdings in die Offensive und veröffentlichte zusammen mit seiner Frau diese Beichte auf YouTube.

Schadenfreude vs. Selbstkritik

Nein, der Artikel soll kein Nachtreten mit schelmischen Lachen über die Naivität und Doppelmoral der betrogenen Betrüger sein: im Gegenteil! Machen wir uns nix vor. Treue ist keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, für das Paare jeden Tag arbeiten und kämpfen müssen, sie ist das Ergebnis von Offenheit, harter Arbeit, Geduld, Vergebung und Zeit.

Den Kick einer Affäre können viele nachvollziehen, nur ist dies nicht die Antwort auf Beziehungsprobleme, unausgesprocher sexueller Wünschen und Bedürfnissen – im Gegenteil: es ist die Flucht davor! Lasst unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte mit dem Partner besprechen, an Beziehungsproblemen arbeiten, und anstatt jemand anderen zu suchen unseren Partner wieder finden. 37 Mio. gehackte Nutzerdaten (nur eines von zig Portalen dieser Art) legen nahe: es gibt hier viel Gesprächs und Vergebungsbedarf, aber ich glaube ganz fest, dass man Kaputtes wieder reparieren kann.