Das Geheimnis der "Agape" und die Fähigkeit göttlich zu lieben.

Das Geheimnis der „Agape“ und die Fähigkeit göttlich zu lieben.

Was ist das Geheimnis der Liebe? Gibt es da überhaupt eines? Ich meine JA, da gibt es eines und ich will es Dir heute verraten! Es sind zugegeben sehr philosophische, tiefe Gedanken, aber wenn es da einmal klick gemacht hat, dann kann es alles verändern. Mahatma Gandhi sagte einst:

Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.

Liebe ist nicht gleich Liebe?

Viele schlaue Menschen haben sich mit der Liebe auseinander gesetzt. Einer meiner Lieblingsautoren ist der Philosoph Erich Fromm. In einem seiner Werke[1] unterteilt er die Liebe zunächst in unterschiedliche Liebestypen:

  • mütterliche Liebe: Ich werde geliebt, weil ich bin.
  • väterliche Liebe: Ich werde geliebt, weil ich mich richtig verhalte.
  • infantile Liebe: Ich liebe, weil ich geliebt werde.
  • reife Liebe: Ich werde geliebt, weil ich liebe.

Als Papa musste ich beim Lesen dieser Definition ein wenig schlucken, trotzdem denke ich, dass hier etwas dran ist und dass es wirklich einmal Sinn macht, Liebe differenzierter zu betrachten. Wir Deutsche haben tragischerweise nur ein Wort für „Liebe“. Wir sprechen von ‚MutterLIEBE‘, vom ‚LIEBE machen‘, der ‚ganz großen LIEBE‘, sagen aber auch, dass wir unser Auto ‚LIEBEN‘ usw.

Wie die alten Griechen Liebe sprachlich differenzierten

Die alten Griechen kannten mehrere Wörter für Liebe, z.B.

  • philia – die freundschaftliche, zwischenmenschliche Liebe
  • eros – die erotische, körperliche Liebe

und eben eine dritte Liebe:

Agape ist nun – und damit nähern wir uns dem Geheimnis – keine irdische, sondern eine göttliche, spirituelle, übernatürliche Liebe. In der Theologie spricht man auch vom verbum arcanum, einem verschlossenen, festens, heiligen Versprechen – die Agape: Gottes Liebe.

Übernatürliche Liebe in der Ehe und Partnerschaft

Und jetzt haben wir tatsächlich ein fettes Problem, denn fast alle Stellen im Neuen Testament, die sich mit der Liebesbeziehung zwischen Menschen beschäftigen, sprechen von der Agape. Auch sämtliche klassischen Trauverse aus der Bibel sprechen NICHT etwas von philia oder eros, sonder stets von Agape!

Hier ein Klassiker unter den Trauversen und gleichzeitig auch eine perfekte Definition von Agape:

Wenn ich in den Sprachen der Welt oder mit Engelszungen reden könnte, aber keine Liebe hätte, wäre mein Reden nur sinnloser Lärm wie ein dröhnender Gong oder eine klingende Schelle. Wenn ich die Gabe der Prophetie hätte und wüsste alle Geheimnisse und hätte jede Erkenntnis und wenn ich einen Glauben hätte, der Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. Wenn ich alles, was ich besitze, den Armen geben und sogar meinen Körper opfern würde, damit ich geehrt würde, aber keine Liebe hätte, wäre alles wertlos. Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstößig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach. Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit. Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht. Die Liebe wird niemals aufhören, selbst wenn Prophetie, das Reden in unbekannten Sprachen und die Erkenntnis vergehen werden. Jetzt erkennen wir nur wenig, und auch unser prophetisches Reden offenbart nur wenig! Doch wenn am Ende das Vollkommene erscheint, wird das wenige aufhören. Als ich ein Kind war, redete und dachte und urteilte ich wie ein Kind. Doch als ich erwachsen wurde, legte ich das Kindliche ab. Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel, dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt weiß, ist unvollständig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt. Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei bleiben. Aber am größten ist die Liebe. (NL; 1.Korinther 13)

Hier wird eine der reinsten Formen der Liebe beschrieben, die es überhaupt nur gibt – Agape.

Unmögliches ist möglich

Und mit dieser Liebe sollen wir Menschen unseren Partner lieben? Geht das überhaupt? Mal Hand auf’s Herz: Sind wir immer freundlich, hoffen nur das Beste, denken zuerst an den anderen, dann an uns? Sind wir nicht reizbar, immer geduldig und freundlich?

Ich sage es mal so: als Menschen kommen wir da – selbst mit den besten Absichten und Vorsätzen – schnell an unsere Grenzen. Das Geheimnis der Agape ist, dass es etwas Übermenschliches ist, etwas, das wir jeden Tag neu empfangen müssen.

Götterfunke Liebe

Ich komme noch mal auf Erich Fromm zurück. Er sagt, dass die Liebe (Agape) das einzige ist, mit dem der Mensch schöpferisch (praktisch aus dem Nichts) etwas gestalten kann, und die einzige, wirklich aktive Tätigkeit, zu der der Mensch im Stande sei. Ein Läufer gilt ja als ein sehr aktiver Mensch, in Wahrheit ist es aber nichts Aktives zu laufen, sondern etwas Passives! Man läuft z.B., weil man abnehmen will, etwas für die Gesundheit tun will, Angst vor Krankheit hat, gut aussehen will etc. Wenn man hier einmal genau hinschaut, dann ist der Läufer ein getriebener, der läuft, weil ihn etwas jagt oder er etwas nachjagt – er ist passiv.

Die Liebe ist nicht getrieben, sie ist selbstlos, ohne jede Bedingung – sie ist das einzige Aktive, wozu wir uns entscheiden können, und das einzige Schöpferische, das aus dem NICHTS ins hier und jetzt etwas Neues aufbauen kann – es ist die stärkste Kraft im Universum, es ist ein göttlicher Funke, der noch in allen von uns glimmt, und den wir alle – wir haben es in der Hand – wieder zu einer gewaltigen Flamme werden lassen können.

Liebe Freunde, weil Gott uns so sehr geliebt hat, sollen wir auch einander lieben. (NL; 1Joh 4,11)

Entschließe Dich jeden Tag neu zu empfangen und dann das Übermenschliche zu tun und zu lieben – Du wirst überrascht sein, dass es tatsächlich klappt und trägt.


  [1] „Die Kunst des Liebens“; Erich Fromm 1956; [2] lateinisch: caritas